Sternchenforum

Sternchenforum

Wie definierst du dich?

Warum fühlst du dich bei Lesbe* angesprochen? Oder warum fühlst du dich als Lesbe? Maile deine Antwort an sternchen@lft2019.de, damit wir sie hier – anonym oder nicht –  veröffentlichen können. Gerne könnt ihr ein Foto mitschicken, auf dem man euch möglichst nicht erkennt.

Die Antworten:

 

Viele Jahre habe ich Beziehungen zu Frauen gehabt. Nun bin ich doch wieder mit einem Mann zusammen und er ist in manchen Dingen „weiblicher“ als die Frauen, mit denen ich zusammen war. Mit dem Begriff „bi“ werde ich irgendwie nicht so richtig warm. Wenn ich mich aber als Lesbe bezeichne, sind alle verwirrt, wenn ich von meinem Freund spreche. Seit kurzem sage ich nun: „Ich bin eine Sternchen-Lesbe“ und es haben sich schon einige tolle Unterhaltungen daraus entwickelt.

 

Ich definiere mich als radikalfeministische Lesbe, die offen ist für Dialog und Zusammen-setzung. Mir gefällt es, die Vielfalt deutlich zu machen, damit sich jede willkommen fühlt, die sich zugehörig fühlt. Trotzdem würde es mich freuen, wenn das Forum „Lesben und Lesben* Forum hieße, da ich mich nicht als Lesbe* bezeichne.
Ich hatte vor ein paar Jahren ein sehr berührendes Sielebnis. Ich habe ein biografisches Erzählcafe für Lesben angeboten und als Einstiegserzählerinnen eine Butch und eine Transidente Lesbe eingeladen. Beide damals in ihren 60gern erzählten aus ihren Siefahrungen in der Lesbenszene. Besonders interessant dabei war, dass sich beide aus den Zeiten des LAZ (Lesbisches Aktionszentrum, Berlin) „kannten“. Sie begeneten sich dort in der Situation, dass die Butch die Translesbe aus den Räumen verwiesen hat. Für die Translesbe war das sehr schmerzhaft. Sie hat als eine der ersten den schwierigen Weg gewählt sich in Casablanca bei dem einzigen Arzt, der das überhaupt machte, operieren zu lassen.
Jetzt saß diese Translesbe neben der Butch, die sie damals rausgeschmissen hat. Sie arbeiteten zu dem Zeitpunkt künstlerinnenlich zusammen. Das Alter der Teilnehmerinnen des Cafes ging von 76 bis 19 Jahren. Die Alten Lesben waren sehr berührt, weil sie die Auseinandersetzungen früher schrecklich fanden und sich deshalb zurückgezogen hatten. Die Jungen waren berührt von den Lebensgeschichten ihrer Ahninnen.
So wünsche ich mir das LFT grundsätzlich und besonders das L*FT in Köln.

 

Seit meinem Outing mit 16 bezeichne ich mich als Lesbe und das wird auch so bleiben. Trotzdem habe ich gemerkt, dass das nicht alles ist. Sowenig, wie ich alle Frauen attraktiv finde, finde ich alle Männer unattraktiv. Und so wie es einen „Typ Frau“ gibt, den ich mir als Partnerin überhaupt nicht vorstellen kann, gibt es einen „Typ Mann“, der doch in Frage kommt. Wenn auch nicht für eine ernste Beziehung. Ich habe in Foren nachgefragt und die passende Selbstbezeichnung hierfür scheint mir lesbisch-amourös pansexuell zu sein. Bin ich damit lesbisch genug für das LFT? Ich selbst denke „Ja“, aber ich freue mich über das Sternchen, das mir zeigt, dass andere das auch denken. Wir sind immer auf unterschiedliche Weise lesbisch gewesen. Zeit, dies auch nach Außen zu tragen.

 

Als ich mich mit 18 Jahren bei meinen Eltern geoutet habe, reagierte meine Mutter mit „Nein, du bist nicht lesbisch. Das glaube ich dir nicht.“ Etwa ein Jahr später war ich dabei, in Bamberg, meinem damaligen Wohnort, einen Junglesbenstammtisch zu gründen und habe am nächsten Tag im Forum, in dem ich auf das Treffen aufmerksam gemacht hatte, lesen müssen „Wir haben keine Lesben gesehen – zumindest keine, die wie Lesben aussahen.“ Beide Situationen haben mich ziemlich getroffen, weil Menschen mir das Recht oder die Fähigkeit abgesprochen haben, mich selbst zu definieren. Und um dieses Recht möchte ich kämpfen – nicht nur für mich, sondern auch für andere. Ich möchte mir nicht anmaßen zu entscheiden, welche sich als Frau definieren darf und welche nicht. Ich möchte keine Veranstaltung, auf der Frauen*, die Frauen* lieben, aber sich nicht als Lesbe definieren, ausgeschlossen sind oder von anderen zu einer Definition gedrängt werden, die für sie nicht passt. Deshalb setze ich mich für das Sternchen ein – um Vielfalt und das Recht auf Selbstdefinitionen sichtbar zu machen.

 
Als Late Bloomerin bin ich sehr glücklich, dass mich meine Familie, meine Freunden und das Arbeitsumfeld nicht als anderen Menschen gesehen haben, nachdem ich ihnen mitteilte eine „Frauen liebende Frau“ zu sein. Ich persönlich mag den Begriff der Lesbe nicht und bezeichne mich ungern als solche, denn ich bin eine Frauen liebende Frau. Ich unterstütze die Vielfalt der Teilnehmerinnen und denke wir sollten alle offen sein für das Sternchen Thema des Kölner ORGA Teams“.